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Modellbahntechnik Hamburg, Inh. Jordan, Cuxhavener Str. 116, 21149 Hamburg
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Elektronisches Blockstellen-System von Philips


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Vor dieser Tatsache steht der an einer automatischen Blocksicherung interessierte Modellbahner: Nach dem Arnold-Elektronik-Block ist nun das Philips-Blocksystem im Fachhandel erhältlich und im Laufe dieses Jahres wird wohl auch noch das neue Fleischmann - Blockstreckensystem erprobt werden können, das zur diesjährigen Spielwarenmesse vorgestellt wurde. Unsere Berichterstattung muss sich somit zwangsläufig darauf beschränken, die Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen herauszustellen, damit der Leser in der Lage ist, vom System her das für seine Modellbahnanlage günstigste Fabrikat wählen zu können.

Das Philips-Blockstellen-System EBS hat wie alle anderen bekannten Systeme die Aufteilung der Strecke in einzelne Blockstrecken als Ausgangsbasis. Im Vergleich zum bereits in Heft 3/75 besprochenen Arnold-Blocksystem sind diese einzelnen Blockstrecken aber nicht nochmals aufgeteilt. Das hat den Vorteil, dass zu jeder Blockstrecke nur eine einzige Leitung geführt werden muss (abgesehen von der für alle Blockstrecken gemeinsamen einen Fahrstrom-Rückleitung). Schaltplan EH 3050

So einfach dadurch die Verdrahtung wird, so ergibt sich in einem bestimmten Betriebsfall daraus jedoch ein betrieblicher Nachteil. Ist nämlich auf der gesamten durch die EBS abgesicherten Strecke die maximal mögliche Anzahl Züge eingesetzt (also ein Zug weniger als Blockstrecken vorhanden sind), so kann immer nur ein Zug ,,gleichzeitig" fahren. Bei drei Blockstrecken und somit zwei Zügen fahren beide Züge nur abwechselnd, oder bei zehn Blockstrecken und neun Zügen fährt nur ein Zug und acht Züge müssen warten. Um einen möglichst flüssigen Verkehr mit dem Philips-System zu ermöglichen, sollte man deshalb in letzter Konsequenz doppelt soviel Blockstrecken wie Züge anstreben, zumindest aber 1,5mal soviel.
Im einfachsten Fall kommt man auch beim Philips-System mit einem einzigen Blockstellen-Baustein (EH 3050) aus: beim in drei Abschnitte aufgeteilten Oval usw. wie in der Skizze dargestellt. Der Anschluss ist anhand der ausführlichen Anleitung einfach. Bereits bei den ersten Probefahrten wird man bemerken, dass die Elektronik nicht nur ein Auffahren der Züge verhindert, sondern dass das Anhalten und Anfahren der Züge mit einer gewissen Verzögerung erfolgt. Das ist eine erfreuliche Eigenschaft dieses Systems, auch wenn sich die Intensität dieser Verzögerung) nach den Eigenschaften der einzelnen Triebfahrzeuge differenziert auswirkt.
Es wäre aber zu schön, wenn nicht auch hier wieder ein Minuspunkt zu verzeichnen wäre, und zwar ebenfalls wieder bei maximal möglicher Zugzahl, also ein Zug weniger als Blockstrecken. Lässt man da nämlich eine verhältnismäßig lange Lok mit weit auseinanderliegenden Stromabnahmestellen oder eine Lok mit beleuchteten Wagen verkehren, dann kann sich bei langsamer Fahrt das ganze System gewissermaßen selbst blockieren.
Nehmen wir an, im Abschnitt C befindet sich ein Zug, desgleichen einer in B. Der Zug C steht folglich, da seine Weiterfahrt durch den Zug B gesperrt wird. Der Zug B fährt nun nach A; dort muss er ebenfalls halten, weil ja in C noch der andere Zug steht, und zwar gleich am Anfang der Strecke A. Bei langsamer Fahrt Ist aber die Anhalte-Zeitverzögerung so gering, dass das "Hinterteil" der Lok oder der beleuchtete Wagen noch in B verbleibt und folglich B noch als ,,besetzt" an die Elektronik meldet. Diese wertet dann die Rückmeldungen wie folgt aus: A durch Lok besetzt, B durch Wagen besetzt, C durch Zug besetzt - alles besetzt: "das ganze Halt!" Da bleibt dann nur, den in der Skizze bereits eingezeichneten Schalter zwischen Klemme 3 und 5 zu schließen und die Automatik damit außer Betrieb zu setzen, wenigstens solange, bis der ganze beleuchtete Zug in Strecke A ist.
Selbstverständlich haben wir das Philips-EBS-System wie seinerzeit auch das Arnold-System hinsichtlich seiner Kombinierbarkeit mit anderen Elektroniken geprüft. Auch hier ist bezüglich der Gleichstrom-Fahrpulte keine Einschränkung zu machen. Anders dagegen mit den Mehrzug-Systemen. Da ist keinerlei Kombinationsmöglichkeit gegeben, weder mit dem Trix-ems-System noch selbst mit dem Philips-EZR-System. Insbesondere letzteres ist eigentlich recht verwunderlich.
Zum Philips-Blockstellen-System gehört nicht nur der bereits erwähnte Blockstellen-Baustein, sondern dieser kann auch noch mit einem Regel-Baustein (EH 3051) Schaltplan und einem Signal-Baustein (EH 3052) Schaltplan kombiniert werden. Die Verbindung der einzelnen Bausteine untereinander erfolgt in einfachster Weise durch Aneinanderstecken, wobei eine ausgeklügelte Steckerbeschaltung komplizierte Denkvorgänge erübrigt, sofern man sich strikt an die Anweisungen der Anleitung hält.
Der Regelbaustein enthält neben der Elektronik für eine einzelne Blockstrecke, die durch das Zusammenstecken mit den Blockstrecken-Elektroniken der Blockstellenbausteine gekoppelt wird, zusätzlich noch einen Fahrspannungs-Regler. (Schieberegler) mit Fahrtrichtungs-Umpolschalter. Mit diesem Ist die Fahrgeschwindigkeit und Fahrtrichtung in der "eingebauten" Blockstrecke getrennt von den anderen Blockstrecken regelbar. Diesen Baustein wird man also vorzugsweise als "Bahnhofs-Baustein" einsetzen, also überall dort, wo mit Zügen innerhalb des Blocksystems rangiert werden muss, ohne dass die anderen auf der Strecke befindlichen Züge mehr als durch die Blocksicherung erforderlich beeinflusst werden. Für diesen Fall ist eine getrennte Speisung des Regelbausteins aus dem Wechselspannungsteil des Normal-Fahrpultes erforderlich. Die Blocksicherung ist jedoch nur in der linken Schalterstellung des Fahrtrichtungs-Schalters für den in der Blockstrecke befindlichen Zug wirksam. Sowohl im Blockstellen-Baustein - als auch im Regelbaustein ist jeweils eine elektronische Oberlast- und Kurzschlusssicherung vorhanden, die bei einem Strom von mehr als 1,2 Ampere blitzartig anspricht und den jeweiligen Baustein sicher vor Überlastung schützt. Der Regelbaustein muss immer links vom Blockstellenbausteine angesteckt werden.
Der ebenfalls links an den Blockstellen-Baustein (ggf. also zwischen Regel- und Blockstellenbaustein) anzusteckende Signalbaustein ermöglicht die Steuerung von vier Lichtsignalen entsprechend dem Schaltzustand der Blockstellen-Elektronik. Es sind lediglich die Signal-Anschlüsse zu verdrahten; alle anderen Verbindungen erfolgen automatisch beim Zusammenstecken der Bausteine. Zu beachten ist, dass jedes Signallämpchen nicht mehr als 100 mA Strom aufnehmen darf. Falls also ein Vorsignal dem Hauptsignal parallelgeschaltet wird, oder das Hauptsignal-Bild zwei Lämpchen erfordert, dann sind Lämpchen mit maximal 50 mA Stromaufnahme zu verwenden. Die Signale selbst sind im übrigen je nach Modellbahnmaßstab 10 bis 30 cm hinter den Trennstellen aufzustellen, da. die Loks ja auch immer erst hinter den Trennstellen anhalten, also eigentlich erst im nächsten Block.
Nachdem an einen Blockstellen-Baustein drei Blockstrecken und an einen Regelbaustein eine weitere Blockstrecke angeschlossen werden können, bilden also jeweils ein Baustein aller drei Arten zusammen eine aufeinander abgestimmte Einheit (Bild 3). Da die Stromversorgung des Signal-Bausteins aus dem Regelbaustein erfolgt, ist ein Verwenden des Signal-Bausteins allein mit einem oder mehreren Blockstellen-Bausteinen (also ohne Regelbaustein) nicht ohne weiteres möglich; das sollte man beachten!
Wie weiter vorn und auch bei der Besprechung des Arnold-Blocksystems bereits erwähnt, wird beim Philips-Blockstrecken-System ebenfalls der fließende Fahrstrom als Indiz für die Blockbelegung herangezogen. Die Schaltung ist so empfindlich, dass bereits ein feuchter Finger - quer über das Gleis gelegt - den Block als besetzt melden kann. Trotzdem bleibt aber bei den so gefürchteten und kaum vermeidbaren ungewollten Stromunterbrechungen durch Gleis- und Radverschmutzung die Möglichkeit der Fehlschaltung, d. h. ein an sich besetzter Block wird von der Elektronik als frei "empfunden", weil eben kein Fahrstrom fließt. Deshalb auch beim Philips-System unsere Empfehlung, in den Zug mehrere stromabnehmende Wagen einzustellen, wobei aber wiederum die ebenfalls bereits erwähnte Selbstblockierung zu berücksichtigen ist.
Zusammengefasst: Auch das Philips-Blockstellen-System hat seine Vor- und Nachteile, so dass der Käufer sehr genau überlegen sollte, welchem System er den Vorzug gibt. Nahezu ideal wäre eine Kombination der Vorzüge aus Philips- und Arnold-System, aber die gibt es eben leider nicht. Noch nicht.
Quelle: eisenbahn magazin 4/75

 


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